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Kilometertörn auf dem deutschen Strom: Ein Mann und der Rhein

 

Kleve (lifePR) - Wer eine Reise per Boot machen will, orientiert sich gerne auf diversen Überseglern, Seekarten oder Kartenatlanten. Nicht so Peter Ringsgwandl, Mitgeschäftführer von Coenen Yachts & Boats aus dem niederrheinischen Kleve. Ihn beschäftigt ein Törn über den schiffbaren Rhein mit einem beinahe offenen Boot, das nicht nur fahrbarer Untersatz, sondern auch als Schlafstätte dienen soll.

 

Der Rhein ist ein interessantes und reizvolles Revier für Motorbootsfahrer (Bild: Garoch/pixabay, Lizenz: PD)

 

Der ausgebildete Schweißer und Lehr-Meister hat ein besonderes Faible für Aluminium. Aus diesem Spezialwerkstoff bauen seine Mitarbeiter Freizeitboote, aber auch Sonderfahrzeuge für Grenzschutz, Marine- oder Küstenschutz. Durch die Nähe zur beinahe in Sichtweite befindlichen Niederlande existieren nicht nur sehr gute geschäftliche Beziehungen, sondern auch Inspirationen zu Form und Design. So entdeckte Ringsgwandl in der Niederlande die kleinen aber feinen Sloepen, mit denen die Nachbarn gerne ihre Freizeit auf den unzähligen Wasserstraßen und Grachten verbringen. „Als ich die erste Sloep auf einem Kanal vor sich hintuckern sah, war für mich sofort klar – dieses Boot ist genau das richtige für unsere Kanäle und Flüsse rund um Kleve“. Gesagt, getan: Seit vorletztem Jahr gehört die knapp sieben Meter lange Sloep zu seinem Portfolio. Als die erste Sloep geschweißt war und Ringsgwandl vor dem Boot stand, kam er wieder zur Oberfläche: sein Traum von einer weiten Fahrt – auf dem Rhein.

Der Rheinländer durchkreuzte in seinen Jugendjahren das kroatische Mittelmeer in fast jeder Richtung. Später folgten Überführungsfahrten auf Nord- und Ostsee, aber den Rhein, den großen Strom vor seiner Haustür, hat er noch nicht befahren. Nach kurzer Planung stand fest: Seine erste Sloep wurde auf den Namen Moritz getauft und mit ihr will er von den Rheinfällen über den Oberrhein bis hinunter in sein niederrheinisches Heimatrevier fahren.

 

Die Vorbereitungen

 

Für die Fahrt, für die Ringsgwandl eine Woche einplante, wurde Moritz noch ein wenig aufgepimpt. Eine ordentliche Sprayhood soll die Fahrensmänner im Vorschiff für Übernachtungen auf den Sitzbänken vor Wetter schützen. Zudem erhielt die Sloep eine umlaufende Gummiwulst, die den Rumpf bei Schleusenmanövern schützen soll. Als Motorisierung wählte Ringsgwandl einen soliden Solè Diesel mit 29 Pferdestärken. Der erfahrene Segler überlässt nichts dem Zufall und installierte zudem eine Außenborderhalterung und hängte einen Fünf-PS-Quirl dran, sollte einmal der Diesel seinen Dienst versagen. Dass sich dieses Zubehör als weise Entscheidung darstellte, obwohl der eingebaute Diesel nagelneu war, stellte sich bereits kurz nach dem Start im Oberrhein heraus.

 

Start mit dem Auto

 

Mitte Juli vergangenen Jahres war es soweit. Peter Ringsgwandl und sein Kumpel Hubert fuhren das Trailergespann über 600 Kilometer vom Niederrhein in die Region Hochrhein-Bodensee, nach Rheinfelden.

 

Mit dem Ringbuch „Der Rhein“ I und II bewaffnet, Seekarten brauchen die Binnenschiffer nicht, slippten sie Moritz bei den Wassersportfreunden Rheinfelden für fünf Euro in den Rhein, der hier Trinkwasserqualität hat (!). Peter hat sich seitdem noch tiefer in den Rhein verliebt, „das Wasser leuchtet Dir in einem so schönen, glasklaren Grün entgegen, dass es mir fast schwindelig wurde.“ Bei 28 Grad Luft- und 22 Grad Wassertemperatur fuhren die beiden los: stromabwärts.

 

Die ersten Rheinkilometer und das erste Abenteuer

 

Vom Rheinkilometer 152,4 in Rheinfelden schlängelt sich der Rhein in noch engen Kurven durch die bergige Landschaft und trifft nach kurzer Zeit auf die erste Schleuse. Die Crew bereitet sich auf das Manöver vor und steht mit Leinen und Bootshaken bereit, die Mauern abzuwehren. Per Handy meldet sich Peter beim Schleusenwärter an und schon öffnen sich die Grenzpoller und geben den Weg in die Schleuse frei. Obwohl die Schweiz nicht zum Schengen Abkommen gehört, benötigen die Wassersportler keine weiteren Anmeldungen, Zollgänge oder Sonstiges beim Grenzübertritt.

 

An Bord eines Binnenbootes sollte eine gute Handaxt bereit liegen! Nicht um die Mannschaft von ihrer Rolle als Diener zu überzeugen. Nein, die Axt dient zum Durchschlagen wohlmöglich festgehakter Leinen beim Schleusen! Mit einem ordentlichen Getöse fällt der Wasserstand in der ersten Schleuse um über sechs Meter!

 

Wie Peter bei der Konstruktion von Moritz schon vorplante, schützt ein ringsumlaufender, schwarzer Gummiwulst das Boot vor Blessuren bei Schleusenmanövern oder bei missglückten An- und Ablegemanövern im relativ schnell fließenden Rhein.

 

Panorama und Badefreuden

 

Hinter der Schleuse, auf Rheinkilometer 163,5 geht es schon in die nächste Schleuse Birsfelden. Hier geht es neun Meter bergab. „Nach der zweiten Schleuse eröffnete sich uns eine Landschaft wie im Märchenbuch - Waldflächen reichen bis ans glasklare Ufer, Fischerhütten mit Netzen davor versetzen uns in eine andere Zeit“, berichtet Peter. Als sich nach einer weiteren Kurve das Stadtpanorama von Basel eröffnet, verschlägt es der Moritz-Crew den Atem. Was den Skipper allerdings wieder in die Gegenwart zurück versetzt, sind Menschengruppen im Wasser! Etwa bei Rheinkilometer 169 lassen sich Badende mit der Strömung flussabwärts treiben. Nach dem mühelosen Badevergnügen steigen die Leute ein paar Kilometer weiter in einen Bus und lassen sich wieder an den Ausgangsort zurück fahren.

 

Danach fuhren die beiden zum ersten Mal durch eine Stadt. Durch zahlreiche alte Bogen-Brücken führt der Weg durch die alte Stadt Basel. Der Rhein ändert im Stadtbereich von Basel beim Rheinknie seine Flussrichtung von Ost-West nach Süd-Nord. Hier endet der Rheinabschnitt Hochrhein und es beginnt der Oberrhein. Hinter der Stadt prägen Industrieanlagen das Bild, bis sich bei Rheinkilometer 170 in Weil am Rhein der Fluss aufteilt: Eine Richtung zweigt in ein nicht schiffbaren Teil ab, während die Moritz den Grand Canal d’Alsace, also den französischen Rheinseitenkanal wählt.

 

Technische Probleme, schnell gelöst

 

Während der Fahrt durch das Elsaß, die sich durch die ruhig vorbei fließende flache und scheinbar menschleere Landschaft auszeichnet, kam es zum ersten technischen Ausfall: Der Diesel sprang nicht mehr an. Mit einem gekonnten Anlegemanöver steuerte Peter den jetzt mit dem Not-Außenborder angetriebenen Moritz an eine Uferbefestigung und die Männer nahmen sich der Fehlersuche an. Es zeigte sich, dass dem Rhein-Kapitän der Durst seines Diesels nicht vollumfänglich klar war, was ein Blick in den Tank deutlich zeigte. Jetzt hieß die Devise: Kanister unter den Arm und an der ersten Dorftankstelle Sprit für die nächsten Kilometer bunkern. Gesagt getan, aufgetankt, Defekt suchen, klemmender Magnetschalter, kurzer Schlag darauf, Schlüssel umgedreht und der Diesel begann sein Lied von Neuem zu singen.

 

An der Schleuse Kembs-Niffer ging es wieder abwärts: 5,5 Meter bis zur nächsten Schleuse Ottmarsheim am Kilometer 193. Hier geht es beinahe doppelt so viel, ganze 14,70 Meter abwärts. Auch das Landschaftsbild änderte sich: Von sanften Wiesen und kleinen Wäldern prägen jetzt Industriegebiete und das Laufwasserkraftwerk Ottmarsheim. Im Versailler Vertrag erhielt Frankreich 1919 für den Rhein als Grenzfluss zwischen Deutschland und Frankreich das alleinige Ausbaurecht. Das 1952 in Betrieb gegangene Kraftwerk ist Teil von Électricité de France.

 

Das Rennen auf dem Rhein

 

Mit dem Kreuzfahrtschiff „Bellissima“ der Nicko Cruises Reederei schleuste auch Moritz mit. Jetzt lieferten sich die beiden Rheinfahrer ein regelrechtes Wettrennen. Unter Volllast und 3200 Um/Min. macht Moritz über 20 km/h. Mal holte zur Freude der Gäste die „Bellissima“ auf, mal war Moritz vorne. Am Kilometer 224 war das Wettrennen vorbei und Moritz schleuste in Breisach Vogelgrun runter und der Tag endete im Yachthafen Breisach an der deutschen Seite. Drei Mitglieder des Motorboot & Yachtclub Breisach überschlugen sich förmlich, um die Moritz-Crew zu begrüßen. Mit Bockwurst und Kartoffelsalat wurden die hungrigen Rheinschiffer bewirtet und erhielten die neusten Informationen zu ihrem Fahrtgebiet.

 

Am zweiten Tag der Rheintour überraschte der erste Regen die wackere Crew. Unter der Vordeckplane machten es sich Peter und Hubert bequem und genossen trocken ein zweites Frühstück. Um 12 Uhr, nach dem Regenguss ging es weiter zur achten Schleuse der Rheinfahrt in Marckolsheim. Die nächste Schleuse Rhinau, an Rheinkilometer 256 wollte Moritz nicht schleusen. Der Schleusenwärter hat das schwarze Boot schlichtweg übersehen. So packte die Crew aus der Waeco-Kühlbox die präparierten Steaks aus und machte eine Grillpause. Gegen 15 Uhr ging es endlich weiter zum Rheinkilometer 273 an die Schleuse Gerstheim und dann endlich die zehnte Schleuse der Tour, die Schleuse Straßburg. Danach machte die Crew im Hafen von Kehl fest und erkundete, nach einem Tipp von Hafenmeister Jean Pierre den nahe gelegenen Ort zu Fuß.

 

Europa ganz nah

 

Der dritte Tag begann mit einem Bad bei 23 Grad Fluss-Wassertemperatur. Der Kapitän entschloss sich, einen Abstecher in die Europastadt Straßburg zu fahren. Über die Nordschleuse ging es weitere zehn Zentimeter abwärts und dahinter folgten die beiden Rheinländer einer falschen Abzweigung und gelangten so in die eigentlich gesperrten oder nur mit einer Plakette zu befahrenden Innenstadtbereiche der Altstadt von Straßburg um vorbei an EU-Institutionen, wie dem EU-Parlament, den Europarat und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu fahren.

 

Nach dem innerstädtischen Ausflug führte der Kurs von Moritz wieder zurück auf den Rhein und zur Schleuse Gambsheim. Etwas weiter, in Fort-Louis ankerte die Crew in einer Rheinbucht und badete vom Boot aus im glasklaren Wasser, bevor sie die letzte und 14te Schleuse in Iffezheim bewältigten. Die größte Binnen-Schleuse Europas Iffezheim ist eine Staustufe des Oberrheins, die durch die vorangegangene Rheinbegradigungen erhöhte Strömungsgeschwindigkeit des Flusses herabsetzt und gleichzeitig der Gewinnung elektrischer Energie dient. Sie liegt am Rheinkilometer 334 zwischen den Gemeinden Iffezheim in Baden und Roppenheim im Elsass.

 

Am Rheinkilometer 352 kam eine Nimbus 34 längsseits und begleitete Moritz bis zum Hafen Maxau, der als Yachthafen von Karlsruhe fungiert. Der bereits im 18. Jahrhundert gebaute Handelshafen wurde bis zur Jahrhundertwende intensiv genutzt, aber verlor seine Stellung gegenüber dem neuen Rheinhafen, den die Stadt Karlsruhe 1901 eröffnete. Seitdem wird der Hafen vornehmlich von Sportbooten und dem Motorboot-Club Karlsruhe genutzt. Der Club verfügt über ein eigenes, allerdings an die 100 Jahre altes Clubschiff "Vater Rhein", das auch eine Gaststätte beherbergt.

 

Auf Altkanzlers Spuren

 

Am vierten Tag richtete Moritz seinen Bug Richtung Speyer, das kurze Zeit später erreicht wurde. Um einen Stadtrundgang zu machen, buchte Peter einen Kurzzeitliegeplatz für fünf Euro. Ein derbes Saumagen-Menü, das Leibgericht des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl, gab den beiden Rheinschiffern die notwendige Kraft für den zweiten Teil des Tages: Einen Abstecher in den Neckar, um die Stadt Heidelberg zu besuchen. Hinter Mannheim, an Kilometer 428 zweigt der Neckar Richtung Osten ab. Leider verhagelte eine Nachtbaustelle den Aufenthalt der beiden in der badischen Studentenmetropole.

 

Am fünften Tag ging es also schnell wieder zurück auf den Rhein und weiter auf dem Mittelrhein Richtung Worms und dahinter in den Altrheinhafen Ginsheim, wo ein Kunde von Peters Werft auf Moritz wartete. Nach einem schönen Wiedersehen und einer angemessenen Feier, fuhren die beiden am folgenden Tag weiter den Rhein hinab, vorbei an spektakulären Weinbergen und sanften Hügeln. Im Yachthafen Rüdesheim musste der Weinvorrat aufgestockt und nachgebunkert werden. Kurzlieger haben die Möglichkeit kostenfrei in Rüdesheim zu liegen, selbst der Fahrradverleih ist kostenfrei. Vorbei an der Loreley fuhr Moritz bis Rheinkilometer 591 nach Koblenz. Am Deutschen Eck, beim Zustrom der Mosel, verbrachten die Rheinschiffer einen schönen Abend zwischen Tagestouristen und zahlreicher Enten, die durch das ständige Anfüttern in Überzahl das Wasser bevölkern.

 

Nach einem kleinen Schlenker in die Mosel und wieder zurück fuhr Moritz den Rhein hinab bis zum Kilometer 687, der Kölner Altstadt. Im Rheinau-Sporthafen, der sogenannten Köln-Marina. Von hier aus ist die Kölner Altstadt fußläufig erreichbar.

 

Das Heimatrevier

 

Am vorletzten Tag der Reise fuhr Moritz vorbei an Düsseldorf mit kurzem Aufenthalt am Ufer in Düsseldorf Hamm und kühlem Bierempfang von Freunden, bis nach Duisburg, in den Hafen des Ruhrorter Yacht-Club. Schon beim Anlegemanöver hörte Peter Jubelschreie und wurde von Freunden, die über die Brückenbbrüstung der Kanalbrücke Dammstraße nach unten zu Moritz riefen, mit Sekt empfangen. Die Vorab-Willkommensparty ging bis spät in die Nacht.

 

Am letzten Tag fuhren die beiden Rheinschiffer an Thyssen vorbei bis zum Rheinkilometer 856, an dem sie in die Einfahrt zum Altrheinarm Klever Brienen, dem letzten Hafen vor der niederländischen Grenze und gleichzeitig der Heimathafen von Moritz. Segel- und Motorbootfreunde tummeln sich hier in dem kleinen Yachthafen am Altrhein.

 

Fazit: „Moritz hat alle Erwartungen übertroffen“, so der Rheinschiffer und Skipper Peter Ringsgwandl. „Die Fahreigenschaften der sieben Meter langen und nur 2,50 Meter breiten Aluminiumsloep sind sicher und gutmütig. Auch die Welle von entgegenkommenden Schiffen steckt Moritz mit seinem hoch gezogenen Bug mühelos weg. Durch den relativ hohen Freibord waren wir vor überkommenden Wasser vollkommen geschützt. Auch Hubert, der mit 52 Jahren noch nie einen Camping-Urlaub gemacht hat, fühlte sich auf Moritz pudelwohl und sicher. Das Schlafen unter dem Verdeck der Vorpiek funktionierte wunderbar, für Notfälle gab es ein Porta Potti in der vorderen Backskiste und wir beide hätten uns weitere Tage und Nächte an Bord vorstellen können“, so Peter weiter. Ganz wichtig war dem Initiator und Skipper, Peter, dass das Motto „Nichts muss, alles kann“ im Vordergrund stand. Es ging um eine stressfreie Fahrt, in der wir unserem Vater Rhein ein wenig näher gekommen sind und in Tuchfühlung die verschiedenen Menschen und Landschaften von der spannenden Perspektive des Wassers aus betrachten und bestaunen konnten. Das geht mit einem trailerbaren Boot, wie Moritz einfach und vollkommen unkompliziert. Tom Stender

 

Werftkontakt: www.coenenboats.com

 

Vermietung: www.flussfeuer.de

 

 
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